Bei ihrer Gründung im Jahr 1925 war die Firma Bruno Nebelung ein reines Handelsunternehmen. Es wurde Saatgut aus Holland und von deutschen Züchtern aus dem Quedlinburger Raum vertrieben. Aber mit dem Erwerb des Kaldenhofs bei Münster im Jahre 1947 begann die Züchtung von Original Nebelung Sorten.

Es wurde zunächst Erbsen und Bohnen vermehrt, um den Bedarf an Saatgut in den Nachkriegsjahren zu decken. Dabei wurden jedes Jahr aufs Neue die Pflanzen selektiert, die besonders gesund und ertragreich waren. Zunächst wählte man dazu lediglich die besten Pflanzen als Saatgutlieferanten für das nächste Jahr aus. Später begann man durch gezielte Auswahl der Elternpflanzen und mit Hilfe von Handbestäubung gezielt Nachkommen zu züchten, die bestimmte Merkmale in sich vereinen.

Die Gartenbauingenieurin Franziska Stellmach züchtete über Jahrzehnte Erbsen und Bohnen für Bruno Nebelung. Eine der bekanntesten ist die Busch-Wachsbohne ´Golddukat´. Durch gezielte Auswahl von Kreuzungspartner und mit sorgfältiger Selektion entstand eine Sorte, die goldgelbe, fleischige Hülsen hat, einen frühen, reichen Ertrag bringt und auch widerstandsfähig ist. Bis dahin war es aber ein langer Weg.

Für die Bohnenzüchtung werden bereits im Januar die ersten Pflanzen im Gewächshaus herangezogen. Im Mai gibt es dann die ersten Blüten und die eigentliche Arbeit beginnt. Bohnen sind Selbstbestäuber. Um zwei Pflanzen gezielt miteinander zu kreuzen, muss eine zufällige Selbstbestäubung verhindert werden. Dazu müssen aus der Blüte der Mutterpflanze die Pollensäcke entfernt werden bevor sie reif sind. Dann wird vom ausgewählten Vater der Pollen mit einem Pinsel oder eine Pinzette auf die kastrierten Blüten der Mutterpflanze übertragen.  Wenn alles gut klappt, entwickeln sich aus 30 bis 40 % der Blüten Hülsen. In ihnen sind die Samen für die nächste Generation. Diese kann man im Folgejahr aussäen, die Pflanzen heranziehen und beurteilen. Es werden die besten ausgewählt und gekreuzt.

Innerhalb von 10 bis 12 Jahren wird so eine neue Bohnen-Sorte herausgezüchtet. Damit diese vermarktet werden darf, muss sie eine Zulassung vom Bundessortenamt erhalten. Um diese Hürde zu meistern müssen alle Pflanzen der Sorte einheitlich sein und die typischen Sortenmerkmale zeigen. Zusätzlich muss sich die neue Züchtung eindeutig von allen anderen bisher angemeldeten Züchtungen unterscheiden. Nur dann bekommt sie die Zulassung als Sorte und darf in den Handel gebracht werden. Zwischen 1968 und 1998 meldete Bruno Nebelung 12 Buschbohnen, 6 Markerbsen, 4 Schalerbsen und 4 Zuckererbsen als neue Sorten an.

Darunter waren die Buschbohnen ´Dublika´ und ´Primado´, die Puffbohne ´Piccola´, die Markerbsen ´Novelia´ und ´Vitara´, sowie die Schalerbse ´Germana´. Es wurden bei Bruno Neblung aber auch Kohl, Radieschen, Herbstrüben, Aster, Stiefmütterchen und andere Pflanzen gezüchtet. Jede diese Sorten ist eine Originalzüchtung von Nebelung und hat ihre Wurzeln im Münsterland.

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