Kälteschäden an Pflanzen

Kaelteschäden Melone

Kaelteschäden an einer Melone

Eis auf Grünkohl

Eis auf Grünkohl

Rispe Tomaten unbestäubten Blüten Früchten

Rispe mit Tomaten aus unbestäubten Blüten (oben) und voll entwicktelten Früchten (unten).

Tomaten reißen vernarben

Werden die Blüten nicht vollständig befruchtet, reißen große Tomaten auf und vernarben.

Die Temperatur hat einen großen Einfluss auf das Leben von Pflanzen. Jede Pflanze hat ein eigenes Temperaturoptimum bei dem alle Stoffwechselvorgänge problemlos ablaufen. Weichen die Temperaturen vom Optimum ab, kommt es zu Wachstumsstockungen oder gar zum Absterben der Pflanzen. Kälte wird von unseren einheimischen Pflanzen gut vertragen, weil sie daran angepasst sind, Zeiten mit Kälte und Frost zu überstehen. Viele unserer Kulturpflanzen wie Tomaten, Gurken oder Dahlien stammen aber aus subtropischen oder tropischen Regionen. Bei ihnen können schon Temperaturen unter 10°C Kälteschäden verursachen.

Frostschäden

Die extremste Form eines Kälteschadens ist das Gefrieren. Es bilden sich Eiskristalle und die zerstören die Zellen. Die Blätter werden welk, zum Teil sogar matschig. Sie sind dann dunkel gefärbt oder wirken glasig. Besonders auffällig ist das bei Dahlien im Herbst nach dem ersten Nachtfrost. Die Blätter sind dann morgens fast schwarz und hängen schlaff herunter. Betroffen sind davon nur die Pflanzenteile, die eingefroren waren. Die Wurzeln und Rhizome nehmen nur bei Bodenfrost schaden. Darum sollten Dahlien und andere nicht winterharte Stauden nach den ersten Nachtfrösten ausgegraben und in ein frostfreies Winterlager gebracht werden.

Es werden aber nicht alle Pflanzen von Frost abgetötet. Unsere Frühjahrsblüher werden mit einer Schicht aus Eis überzogen ohne dabei Schaden zu nehmen. Die Blüten und Blätter von Schneestolz, Schneeglöckchen oder Winterling tauen wieder auf und wachsen einfach weiter.

Es gibt sogar Gemüse, das im Winter auf dem Beet bleiben und ständig frisch geerntet werden kann. Zu diesem Wintergemüse gehören Feldsalat, Winterendivien, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Topinambur, Porree, Winterheckzwiebeln, Rosenkohl und Grünkohl. Es gibt aber Unterschiede zwischen den Sorten. Sommer- und Herbstsorten von Porree sind nicht frosthart und es vertragen auch nicht alle Grünkohlsorten Temperaturen unter -5°C.

Nicht warm genug zum Wachsen

Pflanzen aus den warmen Regionen benötigen zum Wachsen höhere Temperaturen als Arten aus kühlgemäßigten Gebieten. Feldsalat ist zum Beispiel bei uns heimisch. Er ist winterhart und wächst noch bei Temperaturen zwischen 5 und 10 °C. Tomaten wachsen dagegen bereits bei Temperaturen unter 15 °C nicht mehr, da ihr Stoffwechsel in der Folge nicht funktioniert. Es kommt zur Ansammlung von Anthocyanen im Gewebe, die normalerweise zu Zucker und Stärke umgebaut werden müssten. Dadurch färben sich die Blätter rötlich. Es tritt ein Energiemangel auf, der das Wachstum hemmt und zum Absterben der Pflanzen führt, wenn die Kältephase zulange anhält. Bei Gurken kommt es zu Wuchsverzögerungen, wenn die Temperatur unter 12 °C fällt. Keimende Samen und Sämlinge sind besonders empfindlich. Darum ist es bei Gurken, Paprika, Tomaten und anderem Warmhausgemüse sehr wichtig, dass die Keimtemperaturen Tag und Nacht eingehalten werden.

Kälte beeinträchtigt auch die Blütenbildung und die Lebensfähigkeit des Pollens. Bei Tomaten kommt es bei Temperaturen unter 13 °C nicht mehr zu einer vollständigen Bestäubung. Dadurch bilden sich kernlose, harte Früchte mit matter Schale.

Bei Fleischtomaten reißen die unvollständig befruchteten Tomaten an den der Spitze auf und vernarben. Unter 10 °C ist der Fruchtansatz bei Tomaten sehr schlecht. Paprika-Blüten werden schon unterhalb von 15,5 °C nicht mehr ausreichend bestäubt. Bei Gurken und Kürbissen bilden sich bei niedrigen Temperaturen nur männliche Blüten. Da sie nicht bestäubt werden und keine Früchte hervorbringen, fallen sie nach einiger Zeit ab. Von solchen kältebedingten Befruchtungsproblemen sind meist nur die ersten Blüten im Frühjahr betroffen.

Kältestress oberhalb des Gefrierpunktes: Chilling

Subtropische und tropische Pflanzen haben im Temperaturbereich zwischen +1 °C und +10 °C Kältestress. Ihr Stoffwechsel wird durch die niedrigen Temperaturen so stark gestört, dass Pflanzenteile oder die ganze Pflanze absterben können. Dieser Kältestress wird als „Chilling“ bezeichnet. Mit sinkender Temperatur werden die Membranen der Zellen starr und die Enzyme, die für den Umbau von Molekülen in der Zelle verantwortlich sind, funktionieren nicht mehr. Dadurch wird ein normaler Stoffwechsel unmöglich und es kommt zum Freiwerden von reaktivem Sauerstoff in der Zelle. Die Folge ist das Absterben von Gewebe. In leichten Fällen bilden sich nur kleine, weiße Flecken in den Blattflächen. Ist die Reaktion stärker, sterben die Blattränder oder die ganzen Blätter ab. Die Symptome sehen aus wie die bei Hitzeschäden und Sonnenbrand.

Am empfindlichsten sind die unteren, älteren Blätter und das Kambium (die Wachstumszone) der Wurzeln. Bei Gurken sind die Wurzeln besonders empfindlich. Ihnen kann sogar zu kaltes Gießwasser schaden. Die Wurzeln nehmen dann kein Wasser mehr auf und dies führt zum Verwelken der Pflanze.

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