Bodenälchen – Nematoden

Gallen Wurzeln typisch Befall Meliodogyne Arten

Solche Gallen an den Wurzeln sind typisch für den Befall mit Meliodogyne Arten.

Nematoden sind Fadenwürmer. Sie leben überall im Boden, im Wasser, als Parasiten in Pflanzen und manche leben sogar in Menschen. Die meisten sind mikroskopisch klein, wenige werden mehr als ein oder zwei Zentimeter lang.

Gut angepasst

Die Nematoden bilden eine artenreiche Tiergruppe. Rund 20.000 Arten wurden bisher beschrieben. Sie leben überall auf der Welt im Süßwasser, im Salzwasser und im Boden. Es gibt Arten in heißen Quellen und solche, die Temperaturen von unter – 270 °C überleben können. Manche leben in saurem Milieu bei einem pH-Wert von 2,5 und andere vertragen starke Basen (pH-Wert 11,5).

Die im Gartenboden lebenden Arten fressen Bakterien, Pilze, Algen und abgestorbenes Material. Manche machen aktiv Jagt auf kleine Bodentiere oder befallen als Parasiten Insektenlarven oder Schnecken. Solche Arten aus den Gattungen Phasmarhabditis, Steinernema und Heterorhabditis werden als Nützlinge in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Nematoden sind Bestandteil des Bodenlebens. Sie stehen in ständiger Konkurrenz zueinander und zu anderen Tieren. Ihre Vermehrungsrate ist abhängig vom Nahrungsangebot.

Unterscheidung Nematoden

Die Unterscheidung der verschiedenen Arten ist sogar für Experten schwer.

Fruchtwechsel und Mischkultur

Durch den wiederholten Anbau einer Pflanzenart an einer Stelle, werden diejenigen Bodenlebewesen in ihrer Vermehrung gefördert, die von der betreffenden Pflanze besonders gut leben können. Im Laufe der Zeit vermehren sich dann die Nematoden stark, die den Pflanzen schaden können. Im Extremfall ist der Boden irgendwann so von ihnen durchseucht, dass es nicht mehr möglich ist die Kultur auf dem Beet anzubauen.

Fruchtwechsel und Mischkulturen geeigneter Partner wirken dem entgegen. Durch die wechselnde Bepflanzung wird die Artenvielfalt im Boden gefördert und einzelne Arten vermehren sich nicht übermäßig.

Pflanzenschädigende Nematoden

Es gibt verschiedene Gruppen von Nematoden, die Schäden an Pflanzen verursachen. Die wandernden Wurzelnematoden sind in der Lage infizierte Pflanzen wieder zu verlassen und sich neue Wirte zu suchen, wenn der Wirt abstirbt.

Die Ektoparasiten (Paratylenchus, Trichodorus, Longidorus) unter ihnen stechen nur die Zellen der Wurzeln an und saugen an ihnen. Die Endoparasiten (Pratylenchus) bohren sich in die Wurzeln hinein und wandern durch das Pflanzengewebe.

Stängelnematoden (Ditylenchus) leben in Pflanzenstängeln und zerstören dort die Wände der Zellen, was zu Verdrehungen der Stängel führt. Andere Arten siedeln sich in Blüten und Blättern (Aphelenchoides) an.

Zystenbildende (Heterodera, Globodera) und gallenbildende Nematoden (Meloidogyne) veranlassen die Pflanze dazu spezielles Nährgewebe an den Wurzeln zu produzieren in dem sie dann leben.

 Nematoden mikroskopisch klein

Die meisten Nematoden sind mikroskopisch klein.

Typische Schadbilder

Je nachdem welche Nematoden die Pflanzen befallen haben treten unterschiedliche Symptome auf. Generell ist typisch, dass die Pflanzenbestände nesterweise betroffen sind und unregelmäßig wachsen. Es treten verschiedene Deformationen an Wurzeln und Blättern auf. Verfärbungen und Welken sind Folgeerscheinungen und werden durch mangelnde Versorgung mit Wasser und Nährstoffen hervorgerufen. Bei einer starken Bodenverseuchung können auch Sämlinge abgetötet werden.

Nematoden an Erbsen, Gartenbohnen und Ackerbohnen

NematodeSymptomeBekämpfung
Wurzelgallenälchen
Meloidogyne hapla
Rundlichen, mehrere Millimeter großen Gallen an den Wurzeln. Kümmerwuchs und Vergilbung.

5 Jahre Anbaupause, Aussaat von Tagetes oder Mais. Kein Anbau von Phacelia, Möhren, Sellerie und Erdbeeren, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren.
Wurzelläsionsnematode
Pratylenchus penetrans
Wurzelläsionen. Kümmerwuchs und Vergilbung.Aussaat von Tagetes. Kein Anbau von Phacelia, Ölrettich, Senf, Kartoffeln, Mais, Getreide und Gräsern, Porree, Zwiebeln und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren. Schwarzbrache.
Anbaupausen von 4 Jahren einhalten. Kein
Stängelälchen
Ditylenchus dipsaci
Stängel werden von der Basis her schwarz. Es können trotzdem Hülsen gebildet werden. Die Früchte können auch befallen sein.
Anbau von Sellerie und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren. Wildkräuter wie Vogelmiere, Wegerich, Taubnesseln und Knöterich bekämpfen.

Nematoden an Möhren

Nematode
SymptomeBekämpfung
Wurzelgallenälchen
Meloidogyne hapla
Wurzel verzweigt, eingeschnürt, viele Seitenwurzeln mit rundlichen, mehrere Millimeter großen Gallen, bei extremem Befall unregelmäßiger Aufgang bis hin zum Absterben der Sämlinge
5 Jahre Anbaupause, Aussaat von Tagetes oder Mais. Kein Anbau von Lupine, Klee, Phacelia, Sellerie, Erdbeeren und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren.
Wurzelläsionsnematode
Pratylenchus penetrans

Kleine rot-orange Flecken auf den Wurzeln, die später in einander übergehen und sich schwarz färben. Es können Einschnürungen entstehen. Die Möhren zeigen Zwergwuchs.
Aussaat von Tagetes. Kein Anbau von Phacelia, Ölrettich, Senf, Kartoffeln, Mais, Getreide und Gräsern, Porree, Zwiebeln und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren. Schwarzbrache.
Möhrenzystenälchen
Heterodera carotae
Befallenen Möhren bleiben im Wachstum zurück. Das Laub kümmert du kann absterben. Die Wurzeln sind stark verzweigt und bärtig.
Anbaupause von 4 bis 6 Jahren, da die Zysten lange im Boden bleiben. Der Nematode vermehrt sich an anderen Kulturpflanzen nicht.

Nematoden an Kohl

Nematode


Symptome
Bekämpfung
Wurzelgallenälchen
Meloidogyne sp.
Wurzeln mißgebildet, verdickt oder stark verzweigt. Zwergwuchs, Chlorosen und Welken treten auf. Früher Befall kann zum Absterben der Keimlinge führen.

Anbaupausen von 4 bis 5 Jahren. Aussaat von Tagetes oder Mais. Kein Anbau von Lupine, Klee, Phacelia, Sellerie, Erdbeeren und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren.
Zystenälchen
Heterodera schachtii
Heterodera crucifera
Weiße oder braune Zysten am Wurzelsystem.Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren einhalten, da die Zysten lange im Boden erhalten bleiben. Kein Anbau von Spinat, Rüben oder Kohl auf den betroffenen Flächen.

Nematoden an Rote Bete und Rüben

Nematode
Symptome
Bekämpfung
Zystenälchen
Heterodera schachtii
Heterodera betae
Weiße oder braune Zysten am stark verzweigten Wurzelsystem. Unregelmäßiges Wachstum. An warmen Tagen verstärktes Welken.
Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren einhalten, da die Zysten lange im Boden erhalten bleiben. Kein Anbau von Spinat, Rüben, Porree, Winterraps oder Kohl auf den betroffenen Flächen.
Gallnematoden
Meliodogyne sp.
Wurzel verzweigt, eingeschnürt, viele Seitenwurzeln mit rundlichen, mehrere Millimeter großen Gallen, bei extremem Befall unregelmäßiger Aufgang bis hin zum Absterben der Sämlinge
5 Jahre Anbaupause, Aussaat von Tagetes oder Mais. Kein Anbau von Kartoffeln, Möhren, Schwarzwurzeln, Lupine, Klee, Phacelia, Sellerie, Erdbeeren und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren.

Nematoden an Zwiebeln und Porree

Nematode


Symptome
Bekämpfung
Stängelälchen
Ditylenchus dipsaci
Das Laub junger Pflanzen ist gekrümmt und verdreht. Der Wuchs ist gedrungen und die Blätter bläulich-grün. Die Zwiebeln sind glasig, die inneren Schuppen sind pelzig. Wurzeln und Zwiebel faulen.
Anbaupausen von 4 Jahren einhalten. Kein Anbau von Sellerie und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren. Wildkräuter wie Vogelmiere, Taubnesseln, Wegerich und Knöterich bekämpfen.
Wurzelläsionsnematode
Pratylenchus penetrans
Zwergwuchs und schlecht entwickeltes Wurzelsystem. Feinwurzeln fehlen. An vorhandenen Wurzeln sind eingesunkene Stellen, die mit zunehmendem Alter dunkler werden.
Aussaat von Tagetes. Kein Anbau von Phacelia, Ölrettich, Senf, Kartoffeln, Mais, Getreide und Gräsern, Möhren und Hülsenfrüchten, da sich an ihnen die Nematoden stark vermehren. Schwarzbrache.

Vorbeugung und Bekämpfung

Der wechselnde Anbau von verschiedenen Pflanzen auf einer Fläche verringert das Risiko, dass sich bestimmte Nematodenarten zu stark vermehren. Anfällige Kulturen sollte frühestens nach 4 Jahren wieder auf die gleiche Fläche gesetzt werden. Die Förderung der Bodengare durch angepasste Bodenbearbeitung, gezielte Düngung, Kalkung und organische Düngung verbessert die Lebensbedingungen für die Pflanzen und stabilisiert das Ökosystem Boden. In einem gesunden Boden gibt es Bakterien und Pilze, die Nematoden abtöten.

Eine Grünbrache mit Feindpflanzen wie Tagetes, Ringelblume oder Senf reduziert die Zahl der Nematoden deutlich. Der Erfolg hängt aber davon ab, welche Nematodenart tatsächlich schädigt.

Die Arten aus den Gattungen Meloidogyne und Pratylenchus können an sehr vielen Pflanzen leben. Sie können darum durch Fruchtfolgemaßnahmen und Grünbrache nicht wirksam bekämpft werden. Ihre Zahl lässt sich reduzieren, wenn man sie durch eine Schwarzbrache den Sommer über aushungert. Das bedeutet, dass auf der Fläche über Monate gar keine Pflanzen stehen. Auch Wildkräuter müssen dann sorgfältig entfernt werden, denn auch an ihnen können sich Nematoden vermehren.

Befallene Pflanzen müssen mit Knolle und Wurzeln aus dem Beet entfernt und entsorgt werden. Jede einzelne Zyste der Zystennematoden enthält mehrere hundert Eier. Die können mehrere Jahre ruhen und schlüpfen sobald Wurzelausscheidungen die Anwesenheit von Wirtspflanzen anzeigen. Darum dürfen sie nicht mit Kompost oder Pflanzenresten über die Fläche verteilt werden. Auch anheftende Erde an Spaten, Grabegabeln und anderen Werkzeugen sollte sorgfältig entfernt werden.

Resistente Sorten

Es wurden verschiedene Gemüsearten gezüchtet, die gegen Nematoden resistent sind. Diese Resistenten sind allerdings immer nur gegen bestimmte Nematoden wirksam. Andere Nematodenarten können die Pflanzen befallen!

Beispielsweise können Tomatensorten, Paprika und ihre Veredelungsunterlage resistent gegen Meloidogyne arenaria, Meloidogyne incognita und Meloidogyne javanica sein. Nematodenresistente Sorten sind zum Beispiel ´Dolcevita´, ´Tropical´ und die Unterlage ´Vigomax´.

Kartoffeln werden von verschiedenen, omnivoren Nematoden (Meliodogyne, Pratylenchus etc.) befallen. Es gibt aber auch zwei spezialisierte Arten. Vom Gelben Kartoffelnematode (Globodera rostochiensis) gibt es fünf Pathotypen (Ro 1 – 5) und vom Weißen Kartoffelnematoden (Globodera pallida) drei (Pa 1 – 3). Der am weitesten verbreitetste Kartoffelnematode ist Ro1. Kartoffeln haben verschiedene Abwehrmechanismen entwickelt, die gegen diese Nematoden wirken. Resistente Sorten sind zum Beispiel ´Agria´ (Ro 1), ´Belana´ (Ro1, Ro4), ´Belana´ (Ro1, Ro4), ´Solist´ (Ro 1, Ro 4), ´Jelly´ (Ro 1, 3,4,5 ) und ´Laura´(Ro 1-5). ´Alexandra´ ist sehr widerstandsfähig gegen Ro1 und ´Cosma´ ist wenig anfällig für Ro1 und Ro4.

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