Fruchtgemüse veredeln: Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen

Die Wurzeln stellen die Verbindung der Pflanze zum Boden her. Sie sorgen für Halt und nehmen Wasser und Nährstoffe auf. Der Nährstoffstrom fließt von der Wurzel durch den Stengel zu Blättern, Blüten und Früchten. Von den Blättern gelangen Zucker, Eiweiße und andere Assimilate aus der Photosynthese in alle anderen Pflanzenteile. Ein ausgeprägtes Wurzelsystem ist wichtig für eine gute Nährstoff- und Wasserversorgung. Es muss im richtigen Verhältnis zur Blattmasse und zum Fruchtbehang stehen, damit alle Pflanzenteile gut versorgt werden. Schäden an den Wurzeln durch Nematoden, Pilze oder Viren erschweren die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Durch die Veredelung auf resistente Unterlagen kann man Pflanzen vor dem schädigenden Befall schützen.

Was ist Veredeln und warum wird es gemacht?

Als Veredelung bezeichnet man das Aufsetzen einer Edelsorte auf eine Unterlage. Das Veredeln ist bei Gehölzen sehr verbreitet. Rosen werden zum Beispiel auf kräftige, widerstandsfähige Wildarten gesetzt, die dann die Wurzeln und bei Hochstammrosen auch den Stamm der Pflanzen bilden. Obstgehölze und einige Ziergehölze setzt man auf schwach wachsende Unterlagen, um Ihren Wuchs zu begrenzen.

Bei Gemüsepflanzen ist das Veredeln eine Ausnahme. Es erfolgt nur bei Fruchtgemüse, also bei Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen. Ertragreiche, schmackhafte Edelsorten mit einer guten Widerstandskraft gegen Blattkrankheiten werden auf Unterlagen aufgesetzt, die wenig anfällig für Krankheiten aus dem Boden sind. Die zwei Pflanzen wachsen dann zu einer widerstandsfähigen und fruchtbaren Einheit zusammen.

Tomaten, Paprika und Auberginen veredeln

Kiepenkerl Veredelungsset für Tomaten und Auberginen

Die Unterlagen für Tomaten sind Wildarten oder speziell gezüchtete Sorten, die nicht anfällig für Korkwurzelkrankheit, Fusarium, Verticillium, Sclerotina, Nematoden und Viren sind. Veredelte Tomaten sind widerstandsfähiger und besonders bei kalter Witterung ertragreicher als unveredelte. Da die Nährstoff- und Wasserversorgung durch die Unterlagensorte verbessert wird, können veredelte Stabtomaten zweitriebig gezogen werden. Es kann außer dem Haupttrieb einer der unteren Seitentriebe mit nach oben geleitet werden, der dann auch Früchte trägt. Dadurch ist der Ertrag der veredelten Pflanzen höher.

Paprika-Jungpflanzen werden seltener veredelt. Es gibt dafür spezielle Sorten von Chili oder Cayennepfeffer mit Resistenzen gegen Korkwurzelkrankheit, Stengelgrundfäule, Nematoden und verschiedene Viren. Die veredelten Pflanzen haben zudem eine bessere Kältetoleranz.

Auberginen können auf die gleichen Unterlagensorten veredelt werden wie Tomaten. Sie profitieren dadurch von den gleichen Resistenzen und sind ertragreicher als unveredelte Pflanzen.

Kopfveredelung bei Tomaten, Paprika und Auberginen

Bei Tomaten, Paprika und Auberginen wird eine Kopfveredelung durchgeführt. Dafür müssen die Stengel von Unterlagensorte und Edelsorte gleich dick sein. Da nicht alle Pflanzen gleich schnell keimen und auch unterschiedlich stark wachsen, müssen Unterlagensorte und Edelsorte zeitversetzt ausgesät werden.

Wie die zeitlichen Abläufe sind, hängt davon ab, welche Unterlagensorte verwendet wird und was darauf veredelt werden soll. Die Tomatenunterlage 'Estamino' wird zum Beispiel 5 bis 7 Tage vor einer darauf zu veredelnden Tomatensorte ausgesät. Für die Veredelung von Auberginen muss 'Estamino' ca. 5 Tage später ausgesät werden, da Auberginen länger zum Keimen brauchen.

Die ausgewählten Pflanzen werden mit einem sauberen, scharfen Messer abgeschnitten, ohne sie zu quetschen. Bei der Unterlagensorte erfolgt der Schnitt unterhalb der Keimblätter, da in den Achseln der Keimblätter Knospen sitzen, aus denen die Unterlage neu austreiben könnte. Bei der Edelsorte schneidet man oberhalb der Keimblätter an einer Stelle, an welcher der Trieb die gleiche Dicke hat wie die Unterlagensorte an der Veredelungsstelle. Wichtig ist, dass die zwei Schnittflächen aufeinander passen und über die gesamte Fläche Kontakt haben.

Die Veredelungsstelle wird mit einem Silikonclip verbunden und die Pflanzen mit einem Stab gestützt. Die veredelte Pflanze kommt dann in ein Kleingewächshaus mit hoher Luftfeuchtigkeit, damit sie nicht welkt. In den ersten Tagen dürfen die Pflanzen nicht in die direkte Sonne. Nach etwa einer Woche sind die beiden Pflanzen miteinander verwachsen und können wie andere Tomaten weiter kultiviert werden.

Tomaten veredeln

1. Pflanzen abschneiden

Tomaten veredeln

2. Schnittflächen verbinden und fixieren

Tomaten veredeln

3. Zusammengewachsene Verbindung nach ca. 1 Woche

Gurken veredeln

Kiepenkerl Veredelungsset für Gurken und Melonen

Als Unterlagensorte für Gurken wird oft der Feigenblattkürbis (Cucumis ficifolia) verwendet. Er ist resistent gegen Fusarium sowie Stengelgrundfäule und hat eine gute Kältetoleranz. Da er einen kräftigen Stengel hat, wird der Feigenblattkürbis manchmal 3 bis 4 Tage später ausgesät als die Gurke. Es ist aber auch möglich, beide zeitgleich auszusäen.

Andere Unterlagen sind spezielle Sorten von Moschuskürbissen oder Kreuzungen aus Moschuskürbissen und Riesenkürbissen. Sie sind zum Teil schwachwüchsig und müssen darum bis zu 3 Tage vor der Gurke ausgesät werden. Die entsprechenden Hinweise finden Sie in der Kulturanleitung der Unterlagensorte.

Die Sämlinge werden in Anzuchterde unter einem Verdunstungsschutz herangezogen. Wenn die Keimblätter entfaltet sind, wird der Schutz entfernt, damit sich die Pflanzen akklimatisieren können. Veredelt wird, wenn das erste Laubblatt der Gurke etwa 3 cm groß ist. Wichtig ist, dass der Trieb der Gurke eine gewisse Stabilität hat und nicht zu dünn ist. Es schadet also nicht, etwas länger zu warten.

Veredeln im Gegenzungen-Verfahren

Gurken werden im Gegenzungen-Verfahren veredelt. Gurke und Kürbis werden dazu zusammen in einen 10er oder 12er Topf gepflanzt. Die Wurzeln der Pflanzen dürfen beim Umtopfen nicht beschädigt werden.

Der Stengel der Unterlagensorte wird auf der Seite, an welcher die Gurke steht, schräg von oben nach unten bis zur Hälfte eingeschnitten. Den Stengel der Gurke schneidet man auf gleicher Höhe auf der Seite zum Kürbis hin von unten nach oben ein. Dann werden die beiden Schnittflächen ineinandergeschoben.

Um die Verbindung zu fixieren, gibt es spezielle Klammern. Diese sind zusammen mit dem Saatgut für die Unterlagensorte in Veredelungssets enthalten. Ein Stab als Stütze entlastet die Veredelungsstelle und verringert das Risiko, dass die Pflanzen abknicken. Der Topf mit der veredelten Pflanze sollte unbedingt vor Verdunstung und direkter Sonne geschützt sein.

Nach etwa 8 bis 10 Tagen sind die beiden Pflanzen dann miteinander verwachsen. Nun wird unterhalb der Verbindung der Stengel der Edelsorte gekappt und oberhalb der Veredlungsstelle der Trieb der Unterlagensorte abgeschnitten. Jetzt kann die veredelte Pflanze weiter kultiviert werden wie jede andere Gurkenpflanze. Sobald es warm genug ist, kann sie nach draußen gepflanzt werden.

Gurke und Kürbis veredeln

1. Stengel einschneiden

Gurke und Kürbis veredeln

2. Schnittflächen ineinanderschieben

Gurke und Kürbis veredeln

3. Verbindung fixieren

Gurke und Kürbis veredeln

4. Die Unterlage über und die Edelsorte unter der Verbindung kappen

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