Kulturprobleme beim Anbau von Mangold

Mangold schmeckt nicht nur hervorragend, sondern ist auch ein optisches Highlight in Beeten und Kübeln. Die Blätter von Mangold weisen eine charakteristische Form auf und die Stängel leuchten in Gelb- und Orangetönen. Der Geschmack des Mangolds erinnert an Rüben, mit welchen dieser tatsächlich auch verwandt ist. Mangold zählt zu den beliebten Pflanzen für Balkon und Garten. Mit der richtigen Pflege fällt die Ernte sehr üppig aus, dennoch können während der Anzucht Probleme auftreten. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung der wichtigsten und häufigsten Kulturprobleme.

Kulturprobleme vermeiden durch korrekten Anbau

Wussten Sie, dass Sie viele Krankheiten und Schädlinge bereits durch einen korrekten Anbau und durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden können? Wir empfehlen Ihnen daher einen Blick auf unsere Kulturanleitung für Mangold zu werfen.

Zur Kulturanleitung für Mangold

Schädlinge/Insekten bei Mangold

Japankäfer bei Mangold (Popillia japonica)

Japankäfer bei Mangold (Popillia japonica)

Beschreibung: Der ursprünglich aus Asien stammende Japankäfer richtet schwere Schäden an Kultur- und Wildpflanzen an. Der Japankäfer ist 8 bis 12 mm lang. Die Oberseite der Flügel erscheint metallisch kupferfarben, während Kopf und Körper gold-grün schimmern. Gut ist der Japankäfer an den weißen Haarbüscheln zu erkennen, von denen dieser je fünf kleine auf beiden Seiten des Hinterleibs und zwei größere am Körperende trägt. Der Japankäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) und ähnelt in Aussehen und Biologie dem Juni- oder Gartenlaubkäfer. Daher besteht eine Verwechslungsgefahr. Im Gegensatz zum Japankäfer besitzt dieser aber nicht die typischen weissen Haarbüschel.

Die Engerlinge leben im Boden feuchter Wiesen und ernähren sich vorwiegend von Gras- und Kräuterwurzeln. Dies kann einen deutlichen Schaden an Grasflächen oder Kräutern bedeuten. Nachdem sich die Larven verpuppt haben, schlüpfen zwischen Mai und Juni die adulten Japankäfer. Die Hauptflugzeit der Japankäfer liegt zwischen Mitte Mai und Mitte August. Erwachsene Käfer fressen die Blätter der Pflanze an – teilweise bis auf die Zweige, so dass Blattskelette (Skelettierfraß) entstehen können. Befallene Blätter färben sich braun und können abfallen. Wenn eine Pflanze Blüten und/oder Früchte vorweist, sind diese ebenfalls nicht vor zusätzlichen Fraßspuren des Käfers geschützt. Interessanterweise ist zu beobachten, dass sie scheinbar einzelne Pflanzen gänzlich kahlfressen, während benachbarte Pflanzen kaum Schädigungen aufweisen.

Prävention: Es sollte eine mechanische Bodenbearbeitung im frühen Herbst erfolgen. Dies vermindert die Überlebenschance von bodennah fressenden Larven. Im Rahmen dieser Bearbeitung sollten diese Larven erfasst werden. Vermeiden Sie eine Bewässerung von Grasflächen zur Hauptflugzeit, da sich so die Attraktivität für eine Eiablage der Weibchen vermindert. Weiterhin kann eine höhere Rasenschnitthöhe Ausbreitung und Vermehrung des Japankäfers entgegenwirken. Sie können Wirtspflanzen und den umliegenden Boden visuell überwachen. Wenn Sie einen Befall feststellen, sollte dieser unbedingt dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden (siehe Abschnitt „Bekämpfung“).

Bekämpfung:  Verschiedene Nützlinge wie u.a. Vögel, Maulwürfe, Spitzmäuse, Rollwespen und Laufkäfer fressen die Larven im Boden. Gegen die Larven können außerdem Bakterien (Paenibacillus popilliae), parasitische Nematoden (u.a. Steinernema sp, Heterorhabditis sp.) oder entomopathogene Pilze (Beauveria bassiana, Metarhizium anisopliae) eingesetzt werden. Kleine Ansammlungen der Käfer können mit Lockstofffallen (Pheromone) und durch mechanisches Absammeln bekämpft werden.

Da eine Ausbreitung in Europa unbedingt zu vermeiden ist, sollte bei dem Verdacht auf einen Befall mit dem Japankäfer dieser eingefangen (z.B. in einem Schraubglas) und der zuständige Pflanzenschutzdienst informiert werden. Die Kontaktangaben finden Sie unter www.bvl.bund.de.

Pilzerkrankungen bei Mangold

Becherpilz, Sklerotinia-Fäule bei Mangold (Sclerotinia sclerotiorum, S. minor)

Becherpilz, Sklerotinia-Fäule bei Mangold (Sclerotinia sclerotiorum, S. minor)

Beschreibung: Bereits ab einer Temperatur von 0 °C kann der Becherpilz beginnen zu wachsen. Optimale Bedingungen herrschen allerdings ab 20 °C sowie bei feuchter und kühler Witterung. Während der Pilz im Boden saprophytisch (sich von toten organischen Substanzen ernährend) überlebt, entstehen im sexuellen Stadium sogenannte Apothecien (becherförmige Fruchtkörper), in welchen sich die Ascosporen (Sporen, die der Fortpflanzung dienen) befinden. In die Mangoldpflanze gelangt der Erreger oftmals an Stellen, an denen sich lebendes und krankes/absterbendes Gewebe berühren. Dies können zum Beispiel absterbende Blütenblätter sein. In seltenen Fällen können Infektionen auch durch Pilzgewebe am Boden übertragen werden. Es kommt zu faulenden Stellen an Stängeln sowie später eintretende Fäulnis und Welke am Mangold selbst. Im Myzel (Pilzgeflecht) des Becherpilzes entstehen Sklerotien (Dauerkörper). Diese widerstandsfähigen Dauerkörper können sich im Boden festsetzen und diesen somit für einen sehr langen Zeitraum – teilweise bis über zehn Jahre – hinweg verseuchen.

Prävention: Damit der Becherpilz sich möglichst nicht weiterverbreiten kann, sollten alle Geräte und Aufbewahrungsutensilien hygienisch gereinigt werden. Außerdem ist eine entsprechende Fruchtfolge (über mehrere Jahre geplante Anbaureihenfolge) mit allen Wirtspflanzen des Pilzes zu planen. Auch ein ausreichend großer Pflanzabstand zwischen den einzelnen Mangoldpflanzen ist von Vorteil.

Bekämpfung: Für den Haus- und Kleingarten stehen keine Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung.

Cercospora-Blattfleckenkrankheit bei Mangold (Cercospora beticola)

Cercospora-Blattfleckenkrankheit bei Mangold (Cercospora beticola)

Cercospora-Blattfleckenkrankheit bei Mangold (Cercospora beticola)

Beschreibung: Die Konidien (Sporen), mit welchen sich der Pilz fortpflanzt, werden über den Wind verstreut. Des Weiteren kann der Erreger auch mit infizierten Pflanzenresten verschleppt werden. In den Mangold gelangt der Pilz durch die Stomata (Poren in der äußeren Pflanzenhaut). Erste Symptome der Krankheit sind zumeist an älteren Blättern festzustellen. Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit führt zu runden oder ovalen Läsionen (Verletzungen des Gewebes) auf Blättern und Spross der Pflanze. Diese sind braungrau und von einem rötlichbraunen Rand umzogen. Mit der Zeit werden die Flecken immer größer und gehen ineinander über. Zudem entsteht auf den Läsionen ein weißgraues Pilzgeflecht. Es kann zum Austrocknen oder Verfaulen der Stellen kommen, bis schließlich alle Blätter absterben.

Prävention: Ein Fruchtwechsel (über mehrere Jahre geplante Anbaureihenfolge) von mindestens vier Jahren ist zu empfehlen.

Bekämpfung: Ein Einsatz von Fungiziden (biologische oder chemische Wirkstoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten) gegen Cercospora-Blattfleckenkrankheit ist möglich.

Echter Mehltau bei Mangold (Golovinomyces cichoracearum var.)

Echter Mehltau bei Mangold (Golovinomyces cichoracearum var.)

Beschreibung: Der Pilz setzt sich auf der Oberseite der Blätter fest. Dort dringt dieser mit Haustorien (Saugorgane, die Nährstoffe und Wasser aus einem anderen Individuum saugen) in die Zellschichten ein. Die Oiden (Sporen), welche auf dem Myzel (Pilzgeflecht) sitzen, werden durch Wind weitergetragen. Echter Mehltau ist erkennbar an dem weißen Pilzrasen, der sich über Triebe, Blätter und Stiele der Pflanze ausbreitet. Mit der Zeit verfärbt sich dieser braun. Bevor das Myzel entsteht, bilden sich jedoch Flecken auf den Blättern. Diese haben zu Beginn bis zu 2 cm Durchmesser, werden jedoch immer größer bis schließlich keine Abgrenzungen zueinander mehr erkennbar sind. Die Blätter der Pflanze trocknen aus und verwelken. Zum Ende der Vegetationsperiode bilden sich zudem Chasmothecien (Fruchtkörper), in denen Ascosporen (Sporen, die der Fortpflanzung dienen) enthalten sind. Diese helfen dem Echten Mehltau unter anderem beim Überwintern.

Prävention: Es wird empfohlen, auf tolerante Sorten zurückzugreifen.

Bekämpfung: Durch eine verstärkte Wasserversorgung können die Oiden geschädigt werden. Zudem kann Echter Mehltau mit Hilfe von Fungiziden (biologische oder chemische Wirkstoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten) bekämpft werden.

Falscher Mehltau bei Mangold (Peronospora farinosa f. sp. Spinaciae)

Falscher Mehltau bei Mangold (Peronospora farinosa f. sp. Spinaciae)

Falscher Mehltau bei Mangold (Peronospora farinosa f. sp. Spinaciae)

Beschreibung: Dieser Pilz ist ein obligat biotropher (auf lebende Pflanzen angewiesen) Parasit. Er kann sich über den Wind oder auch mechanisch durch Gartengeräte bzw. darauf befindlichen Sporen bzw. Sporangien verbreiten. Optimale Bedingungen für die Entwicklung des Pilzes herrschen zwischen 8 °C und 18 °C. Falscher Mehltau lässt sich anhand von gelben Flecken erkennen, welche sich auf der Oberseite der befallenen Blätter bilden und leicht erhaben sind. Zudem ist an deren Rückseite und somit der Unterseite der Blätter ein grauvioletter Sporangienrasen (Sporangien sind Sporenbehälter von Pilzen) zu finden.

Prävention: Es ist auf genügend Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen zu achten. Bei einer Anpflanzung im Gewächshaus ist es zudem ratsam, die Luftfeuchtigkeit möglichst niedrig zu halten.

Bekämpfung: Es können Fungizide (biologische oder chemische Wirkstoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten) eingesetzt werden.

Keimlingskrankheiten bei Mangold (Olpidium brassicae, Pythium debaryanum, Rhizoctonia solani, Fusarium spp., Phytophthora spp., Thielaviopsis basicola)

Beschreibung: Als Keimlingskrankheiten versteht man das Zusammenkommen mehrerer verschiedener phytopathogener (Pflanzenkrankheiten hervorrufender) Pilze und Bakterien. In der Regel lösen dabei vor allem Bodenpilze die Krankheiten aus. Die Erreger können sowohl über das Gießwasser als auch durch befallenes Saatgut oder verunreinigte Gartenutensilien übertragen werden. Häufig aber sitzen die Pilze auf Pflanzenresten am Boden und gehen von dort aus auf die Keimlinge über. Bei heißen Wetterlagen sowie erhöhter Luftfeuchtigkeit oder Luftmangel steigt das Risiko einer Infektion. Ein Symptom der Keimlingskrankheiten ist, dass die Saat zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufläuft (die Keimlinge werden an der Bodenoberfläche sichtbar). Zudem werden Keimlinge so stark geschwächt, dass sie welken und absterben. Der untere Teil des Stängels bis hin zum Wurzelbeginn weist entweder eine braune bis schwarze Färbung auf oder erscheint glasig. Außerdem kann es zu wässrigen Stellen und Einschnürungen kommen. Der Boden auf dem die Keimlinge wachsen ist mit weiß- bis graugefärbten Hyphen (Pilzfäden), welche an ein Spinnennetz erinnern, überzogen. Manche Pflanzen überstehen eine Erkrankung, sind jedoch anschließend verkümmert und bringen nur minderwertige Setzlinge hervor.

Prävention: Um die Keimlingskrankheiten möglichst zu vermeiden, ist eine hygienische Reinigung von Arbeitsgeräten und Aufbewahrungsutensilien enorm wichtig. Größere Erdklumpen sollten zu feiner Erde auseinandergebrochen werden. Weiter ist es möglich, verseuchten Boden zu dämpfen (Einleiten von Wasserdampf in den Boden, sodass schädliche Mikroorganismen abgetötet werden bzw. die Aussaaterde im Backofen bei etwa 100 °C für ca. 10 Minuten sterilisieren).

Bekämpfung: Für den Haus- und Kleingarten stehen keine Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung.

Ramularia-Blattfleckenkrankheit bei Mangold (Ramularia beticola)

Beschreibung: Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 18 °C und 20 °C herrschen optimale Bedingungen für diesen Pilz. Übertragen wird der Erreger durch Konidien (Sporen). Diese sitzen in den Konidienträgern auf den Blattläsionen (Verletzungen des Gewebes). Durch Wasserspritzer oder Wind verteilen sie sich dann. Außerdem kann der Erreger auf alten Pflanzenteilen am Boden sitzen. Weiße Flecken verteilen sich unregelmäßig über die Blätter eines an Ramularia-Blattfleckenkrankheit erkrankten Mangolds. Die Flecken sind rund bis eckig geformt und können ein Ausmaß zwischen fünf und zwanzig mm annehmen. Oftmals bildet sich um die Flecken ein rotbrauner Rand und die Mitte bricht heraus. Zumeist sind vor allem ältere Blätter der Pflanze betroffen, welche dann absterben. Durch eine Erkrankung kann es zu Qualitäts- und Ertragseinbußen kommen.

Prävention: Sie sollte auf eine passende Fruchtfolge achten und auf der Fläche mindestens drei Jahre lang den Anbau von Fuchsschwanzsgewächsen unterlassen bzw. meiden.

Bekämpfung: Von Ramularia beticola befallene Pflanzen sollten untergepflügt werden.

Viruserkrankungen bei Mangold

Rhizomania/Aderngelbfleckigkeitsvirus bei Mangold (Beet necrotic yellow vein virus)

Beschreibung: Der Pilz, der Rhizomania auslöst, benötigt lebende Wurzelzellen, um überleben zu können. Sein Erreger kann sich bis zu 20 Jahre im Boden festsetzen und gelangt durch diesen an die Wirtspflanze. Die Sporen werden über Regen, Wind, verunreinigte Arbeitsgeräte oder Tiere verbreitet. Auf den Blättern einer an Rhizomania erkrankten Pflanze bilden sich hellgrüne bis gelbe Stellen. Im Verlauf der Krankheit vergilben auch die Blattadern und es kommt zum Absterben der betroffenen Pflanzenteile.

Prävention: Damit Rhizomania möglichst erst gar nicht ausbricht, sollten Unkräuter regelmäßig entfernt werden, da diese als Wirtspflanzen für die Krankheit gelten. Des Weiteren muss beim Gießen darauf geachtet werden, dass möglichst keine Staunässe entsteht. Stattdessen empfiehlt es sich, den Mangold immer nur mit geringen Mengen Wasser zu versorgen.

Bekämpfung: Wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist, sollte in diesem Beet eine Fruchtfolge (über mehrere Jahre geplante Anbaureihenfolge) von mindestens sechs Jahren eingehalten werden.

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