Kulturanleitung Bohnen

Kulturanleitung Bohnen

Als Bohnen werden die Hülsen und Körner verschiedener Leguminosen bezeichnet. Es handelt sich dabei um sehr unterschiedliche Pflanzen, die sich aber in ihrer Verwendung ähneln. Bohnen sind schon seit Jahrtausenden ein wichtiges Nahrungsmittel. Wer Interesse an traditionellem Gemüseanbau hat, findet in dieser Kulturanleitung für Bohnen alle wichtigen Tipps und Hinweise für eine erfolgreiche Anzucht und Ernte.

Bohnenvielfalt in Farbe und Form

Bohnen gibt es in vielen verschiedenen Farben und Formen. Hierzulande werden besonders gern die Gartenbohnen, die Puffbohnen sowie die Prunkbohnen kultiviert.

Mix aus den verschiedensten Bohnen

Bohnen gibt es in den verschiedensten Farben und Formen.

Gartenbohnen

Stangenbohnen und Buschbohnen

Gartenbohnen gibt es als hoch rankende Stangenbohnen und kleiner bleibende Buschbohnen.

Wenn wir heute von Bohnen sprechen, dann meinen wir meistens die feinere Gartenbohne (Phaseolus vulgaris). Sie stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und kam erst im 15. Jahrhundert auf dem Seeweg zu uns. Gartenbohnen sind sehr kälteempfindlich. Sie dürfen keinen Frost bekommen und werden darum erst ab Mitte Mai bis etwa Mitte Juni ausgesät. Es gibt sie in zwei verschiedenen Wuchsformen:

  • Stangenbohnen (Phaseolus vulgaris var. vulgaris) sind eine kletternde Form, die an Stangen oder Schnüren nach oben wachsen.
  • Buschbohnen (Phaseolus vulgaris var. nanus) sind Sorten mit begrenztem Wuchs. Sie benötigen keine Stütze.

Die  verschiedenen Gartenbohnensorten, egal ob Busch- oder Stangenbohnen, werden in der Küche teils auch unterschiedlich verwendet:

  • Die grünen Hülsen von ‚Duplika‘, ‚Maxi‘, ‚Limka‘ und vielen anderen Sorten können zu Brech- oder Schnippelbohnen verarbeitet werden.
  • Die breiten, flachen Schwertbohnen werden meist in feine Streifen geschnitten, während die rundhülsigen Sorten in Stücke zerkleinert werden.
  • Violette Sorten wie ‚Purple Teepee‘ und ‚Blauhilde‘ werden beim Kochen grün.
  • Die Filetbohnen ‚Prinzessa‘ und ‚Primavera‘ haben feine, runde Hülsen. Sie werden jung vor der Kornbildung geerntet und im Ganzen verwendet. Sie können eingekocht oder nach kurzem Blanchieren eingefroren werden.
  • ‚Facta‘, ‚Brown Dutch‘ und die gesprenkelte ‚Borlotto rosso‘ sind sogenannte Palbohnen. Sie werden erst geerntet, wenn die Hülsen völlig trocken und die Körner ganz ausgereift sind. Dann lassen sich die Körner an einem trockenen, luftigen Ort problemlos lagern und können bei Bedarf für Eintöpfe verwendet werden. Ihre jungen Hülsen können auch wie Schnippel- oder Brechbohnen zubereitet werden.
  • Die goldgelben Wachsbohnen ‚Golden Teeppee‘‚Golddukat‘, ‚Voletta‘ und ‚Neckargold‘ werden vor allem zum Einkochen und für Bohnensalate verwendet.

Schon gewusst?

Viele Gartenbohnensorten können für den Vorrat eingefroren werden. Sofern man sie vorher kurz blanchiert, behalten sie ihre frisch-grüne Färbung auch nach dem Auftauen.

Puffbohnen

Puffbohnen

Puffbohnen sind weniger empfindlich gegen Kälte und können daher früher ausgesät werden.

Puffbohnen (Vicia faba), die auch Sau- oder Faba-Bohnen genannt werden, sind in Mitteleuropa schon lange bekannt. Sie stammen ursprünglich aus dem Vorderen Orient, wo sie bereits seit etwa 6000 v. Chr. kultiviert werden. Puffbohnen sind anspruchslos, standfest und gedeihen auch auf salzigen Böden gut. Zudem sind sie sehr kältetolerant, weshalb sie bereits im Februar und März ausgesät werden können. Im Juni oder Juli können die Bohnen geerntet werden, sodass die Beete dann frei sind für Folgekulturen wie Einlegegurken, Grünkohl, Salate und Spinat.

Die trockenen Körner der Puffbohnen sind gleichzeitig Nahrungsmittel und Saatgut. Sie lassen sich leicht lagern und transportieren, was sie zu einer hervorragenden Handelsware macht. Nicht zuletzt deshalb verbreiteten sich die Puffbohnen schnell bis in die Küstenregionen an Nord- und Ostsee. Bis zum Ende des Mittelalters meinte man diese „Dicken Bohnen“ oder „Echten Bohnen“,  wenn von „Bohnen“ die Rede war. Sie gehörten zu den Grundnahrungsmitteln der armen Leute. Bereits im 13. Jahrhundert wurde die Redewendung „nicht die Bohne“ verwendet, wenn etwas klein und unbedeutend erschien.

Es gibt verschiedene Sorten von Puffbohnen. Hauptsächlich unterscheiden sie sich in der Farbe des frischen Korns und in ihren Kocheigenschaften. Frische Puffbohnen sind grün oder weiß. Beim Trocknen werden sie beige, dunkelgrün oder braun. Die Bohnen der Sorte ‚Witkiem‘  verfärben sich beim Kochen braun, sind aber schön zart und haben ein gutes Aroma. ‚Dreifache Weiße‘ ist eine weißkochende Sorte. Ihre Körner bleiben hell und verfärben das Kochwasser nicht. ‚Hangdown‘ in der grünkernigen Variante bleibt wiederum beim Kochen grün.

Prunkbohnen

Prunkbohnen

Prunkbohnen werden mitunter als Zierpflanzen angebaut, können aber als Trockenbohnen auch für Eintöpfe verwendet werden.

Prunkbohnen (auch Feuerbohnen genannt) stammen ursprünglich aus Mittelamerika. Sie werden bei uns vor allem als Zierpflanzen kultiviert, eignen sich aber auch gut als Trockenkochbohnen für Eintöpfe. Prunkbohnen sind Kletterpflanzen und benötigen ein Gerüst, an dem sie sich hinaufwinden können. Sie eignen sich zum Begrünen von Hauswänden, Zäunen und Mauern. Die Blüten der Prunkbohnen sind je nach Sorte weiß, rot, rosa oder zweifarbig. Sie stellen eine attraktive Nahrungsquelle für Hummeln, Bienen und andere Insekten dar, die Nektar und Pollen sammeln.

Die Körner der Prunkbohnen sind nierenförmig und deutlich größer als die der Gartenbohnen. Häufig sind sie violett und haben dunkelviolette bis schwarze Sprenkel. Diese typische Musterung findet man beispielsweise bei den Sorten ‚Lady Di‘ und ‚Rotblühende‘. Die Sorte ‚Emergo‘ hingegen bildet besonders große, reinweiße Körner. Darum ist die Sorte auch als ‚Weiße Riesen‘ bekannt. ‚St. George‘ und ‚Tenderstar‘ sind Sorten mit zarten, fast fadenlosen Hülsen. Diese können jung geerntet und als Schnippelbohnen zubereitet werden. Ihre Körner sind bräunlich und haben eine rotbraune Zeichnung.

Bohnen anbauen: Hilfreiche Hinweise und Tipps

Beim Anbau von Bohnen kommt es immer darauf an, welche Art und Sorte ausgewählt wurde. Generell brauchen Bohnen aber einen gleichmäßig feuchten Boden, damit die Samen zuverlässig keimen. Ist der Boden zu trocken, stockt die Entwicklung. Außerdem steigt das Risiko, dass die Pflanzen von der gefürchteten Bohnenfliege befallen werden.

Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat der Bohnen

Puffbohnen vertragen niedrige Temperaturen und können schon im Februar ausgesät werden. Wenn es im Frühjahr wärmer wird, sind die Puffbohnen bereits recht kräftig und werden weniger von der Schwarzen Bohnenlaus befallen, die es besonders auf die jungen Triebe der Pflanzen abgesehen hat. Die Aussaat erfolgt bei Puffbohnen in Reihen. Dazu werden die Bohnen in einem Abstand von etwa 10 cm einzeln in 5 bis 8 cm tiefe Löcher oder Rillen abgelegt. Der Reihenabstand beträgt 40 bis 50 cm.

Gartenbohnen und Prunkbohnen vertragen keinen Frost und sollten aus diesem Grund auch nicht vor Mitte Mai ausgesät werden. Entsprechend der beiden Wuchsformen der Gartenbohne gibt es auch bei der Aussaat Unterschiede:

  • Buschbohnen können in Reihen oder in Horsten ausgesät werden. Bei der Reihensaat werden 2 bis 3 cm tiefe Rillen in das Beet gezogen, in welche die Bohnen im Abstand von 3 bis 5 cm abgelegt werden. Anschließend werden die Bohnen mit Erde abgedeckt und gut angedrückt. Bei der Horstsaat werden immer 4 bis 6 Bohnen zusammen in ein 2 bis 3 cm tiefes Loch gelegt, abgedeckt und angedrückt. Die einzelnen Horste haben idealerweise einen Abstand von 40 cm zueinander.
  • Stangenbohnen werden direkt an ihrer Rankhilfe ausgesät. 4 bis 6 Bohnen genügen pro Rankhilfe. So finden die Jungpflanzen sofort nach dem Keimen den benötigten Halt.

Buschbohnen und Puffbohnen anhäufeln

Wenn Buschbohnen und Puffbohnen etwa 10 cm hoch sind, empfiehlt es sich, sie anzuhäufeln. Dazu wird Erde rund um die Stängel zusammengeschoben. Das stützt die Pflanzen und regt sie dazu an, mehr Wurzeln zu bilden. Bei Stangenbohnen ist das Anhäufeln nicht nötig, da sie an den Stangen und Schnüren entsprechend Halt finden.

Buschbohnen im Beet

Um die Standfestigkeit und Wurzelbildung zu fördern, sollten Buschbohnen und Puffbohnen mit Erde angehäufelt werden.

Bestäubung bei Gartenbohnen und Prunkbohnen

Gartenbohnen werden zwar von Insekten besucht, aber die Blüten sind selbstbestäubend und setzen auch Hülsen an, wenn Bestäuber fehlen. Bei Prunkbohnen ist das anders. Sie müssen von Bienen bestäubt werden, damit sie gut tragen. Das klappt am besten bei nicht zu heißer, feuchter Witterung. Starke Hitze und Trockenheit lassen Pollen und Narben austrocknen und die Blüten werden abgeworfen.

Vorsicht bei Hummeln

Besuchen viele Hummeln die Blüten der Prunkbohnen, kann das zum Problem werden. Weil sie zu groß sind, um von vorne in die Blüten zu kriechen, beißen sie Löcher in die Rückseite und saugen den Nektar von dort. Diese Löcher nutzen dann auch Bienen, sodass die Blüten nicht bestäubt werden. Alternative Nahrungsquellen wie Löwenmäulchen, Sonnenhut, Löwenzahn, Klee und nektarreiche Blumenmischungen locken die Hummeln von den Bohnen fort.

Effektiver Schutz der Bohnen vor Schädlingen

Die Maden der Bohnenfliege bohren sich in die jungen Bohnenkeimlinge und töten sie ab. Das Risiko ist besonders hoch, wenn der Boden frisch mit Mist gedüngt wurde oder im Vorjahr bereits Bohnen auf der Fläche standen, an deren Resten Bohnenfliegen überwintert haben können. Aus diesem Grund sollten Bohnen nur alle 3 bis 4 Jahre auf ein und demselben Beet angebaut werden. Ein Gemüseschutznetz verhindert außerdem, dass Bohnenfliegen die Saatstellen erreichen und ihre Eier an den Samen ablegen können. Außerdem schützt es die Keimlinge vor Vögeln und Schnecken, die zu gerne an den jungen Trieben fressen. Bohnenkraut zwischen den Bohnenreihen vertreibt wiederum die Schwarze Bohnenlaus.

Alles Wichtige für den Bohnenanbau zusammengefasst

Standort
  • sonnig bis halbschattig
  • gleichmäßig feuchter Boden
Vorher nicht mit frischem Mist düngen, um einen Befall der Bohnenfliege zu verhindern
Aussaatzeit
  • Puffbohnen: ab Februar
  • Garten- und Prunkbohnen ab Mitte Mai
Garten- und Prunkbohnen vertragen keinen Frost.
Aussaattiefe
  • Puffbohnen: 5 bis 8 cm
  • Garten- und Prunkbohnen: 2 bis 3 cm
Pflanzabstand
  • Puffbohnen: 10 x 40 bis 50 cm
  • Buschbohnen: 3 bis 5 x 40 cm
Ein ausreichend großer Reihenabstand erleichtert das Anhäufeln der aufgelaufenen Jungpflanzen.
Keimtemperatur
  • Puffbohnen: 5 bis 10 °C
  • Garten- und Prunkbohnen: 15 bis 22 °C
Keimdauer7 bis 14 TageWährend der Keimung die Keimlinge gleichmäßig feucht halten.
Erntezeit
  • Puffbohnen: Juni und Juli
  • Gartenbohnen: Juni bis September
  • Prunkbohnen: August bis September
Brech-, Schnippel und Filetbohnen werden früh geerntet, wenn sie noch grün sind. Trockenkochbohnen werden spät geerntet, wenn das Korn ausgereift ist.

Bohnen in der Küche

Grüne Bohnen in der Küche

Bohnen enthalten viele wichtige Nährstoffe für eine gesunde Ernährung.

Bohnen sind reich an Vitaminen, Ballaststoffen und auch Mineralstoffen wie Kalium und Eisen. Vor allem Vegetariern dienen Bohnen darüber hinaus als Eiweißquelle. Auch die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe wie das Saponin, welches den Cholesterinspiegel senkt, machen Bohnen wertvoll für eine gesunde Ernährung.

Von Bohnen isst man je nach Art die gesamte Hülse oder nur das Korn, das mitunter lange gekocht werden muss, um es genügend aufzuweichen. In vielen Ländern der Welt gehören Bohnen neben Reis zu den absoluten Grundnahrungsmitteln. So ist in Costa Rica beispielsweise „Gallo Pinto“ ein traditionelles Gericht, das hauptsächlich aus Reis und Bohnen besteht, zu denen dann Kochbananen, Spiegelei oder verschiedene andere Beilagen gereicht werden. In Deutschland werden Bohnen gerne in Eintöpfen oder als Beilage verwendet. Mit Speck umwickelte Filetbohnen passen zum Beispiel perfekt zu Kartoffeln und Steaks.

Bohnensamen von Kiepenkerl

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